Stadtwerke Sigmaringen und solarcomplex gründen gemeinsame Nahwärmegesellschaft

20.10.2015

Die Stadtwerke Sigmaringen und das regionale Bürgerunternehmen solarcomplex haben beschlossen, den Ausbau von Wärmenetzen im Landkreis Sigmaringen zu forcieren und gründen dazu eine gemeinsame Betreibergesellschaft. An der "NRS Nahwärmegesellschaft Region Sigmaringen mbH" werden beide Projektpartner jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile übernehmen und jeweils einen der beiden Geschäftsführer stellen. Damit ist eine Kooperation auf Augenhöhe gewährleistet.

Inhaltlich erfolgt die Aufgabenverteilung zwischen solarcomplex und den Stadtwerken entsprechend der jeweiligen Kernkompetenzen, die Gesellschaft selbst wird kein eigenes Personal beschäftigen. solarcomplex zeichnet sich für die Öffentlichkeitsarbeit und Planung der Projekte verantwortlich, die Stadtwerke übernehmen die technische Betriebsführung. Das heißt, sie betreiben, kontrollieren und warten das Netz. Sollten Probleme beim Kunden auftreten, sind die Mitarbeiter der Stadtwerke schnell vor Ort.

Zudem übernehmen die Stadtwerke die Abrechnung mit den Kunden. Die Abnehmer der Nahwärme sind allerdings nicht als Kunden der Stadtwerke registriert, sondern als Kunden der NRS. „Aber unsere Mitarbeiter der Stadtwerke und insbesondere des Service Centers stehen natürlich auch den NRS-Kunden zur Verfügung“, betont Bernt Aßfalg, Werkleiter der Stadtwerke. Denn solarcomplex und den Stadtwerken Sigmaringen ist die Nähe zum Kunden enorm wichtig.

Sowohl der Aufsichtsrat von solarcomplex als auch der Gemeinderat in Sigmaringen haben grundsätzlich zugestimmt, der Gesellschaftsvertrag liegt nun zur Prüfung bei der Kommunalaufsicht. Sobald von dort grünes Licht kommt, kann die notarielle Gründung der Gesellschaft vollzogen werden, dies wird voraussichtlich Mitte November sein. Als erstes Projekt der gemeinsamen Gesellschaft wird ein Wärmenetz in Veringendorf angestrebt, dort läuft bereits die öffentliche Bewerbung.

Wärmenetze können technologieoffen mit ganz verschiedenen umweltfreundlichen Energien beschickt werden: Bioenergie, Solarthermie, Geothermie, industrielle Abwärme, Brennstoffzelle oder Überschuss-Strom (via Heizstab oder Wärmepumpe). Gemeinden mit Wärmenetzen sind somit hochflexibel und für eine regenerative Energiezukunft gut gerüstet. „Die Wärme, die zum Beispiel in Biogasanlagen entsteht, wird größtenteils in die Luft geblasen. Wir wollen diese ökologisch erzeugte Wärme nutzen, um Haushalte zu versorgen“, beschreibt Bene Müller, Vorstand der solarcomplex AG, das Konzept. „Positiver Werbenebeneffekt für die Gemeinde: wenn ein Ort größtenteils mit ökologisch erzeugter Wärme versorgt wird, wird er zum Bioenergiedorf.“ Die entscheidende Zukunftsoption ist das Wärmenetz, nicht die Frage, wie es betrieben wird. Dabei zirkuliert nicht nur die Energie im Kreis, sondern in umgekehrter Richtung auch das Geld. Die Energiekosten der Kunden landen bei denjenigen Akteuren, welche heimische erneuerbare Energien für das Nahwärmenetz bereitstellen. Dadurch entsteht Wertschöpfung vor Ort und eine hohe Kaufkraftbindung.

Viele Gemeinden in Baden-Württemberg haben die ökonomischen und ökologischen Vorteile einer Energieversorgung aus heimischen erneuerbaren Energien erkannt und sich auf den Weg gemacht, Wärmenetze zu errichten. Mit der "NRS Nahwärmegesellschaft Region Sigmaringen mbH" steht ihnen im Landkreis Sigmaringen zukünftig ein leistungsfähiger Partner zur Seite.

Über die Stadtwerke Sigmaringen
Als 1861 in Sigmaringen die Gasversorgung von Haushalten und Gewerbebetrieben startete, war der Grundstein für die Stadtwerke Sigmaringen gelegt. Heute, über 150 Jahre später, versorgen die Stadtwerke als Eigenbetrieb der Stadt Sigmaringen Privat- und Geschäftskunden mit Strom, Gas Wärme und Trinkwasser. Daneben betreiben sie den Stadtbus, ein Freibad, zwei Lehrschwimmbecken sowie ein Parkhaus. Darüber hinaus haben die Stadtwerke zusammen mit anderen Gemeinden eine Breitbandgesellschaft gegründet, um den Ausbau des Glasfasernetzes für alle voranzutreiben.

Bei der Energieerzeugung setzen die Stadtwerke vermehrt auf erneuerbare Energien, indem sie sich an mehreren Windparks beteiligen und eigene Solaranlagen und BHKWs besitzen. Dabei verbinden sie Einsparungen, effiziente Energieversorgung mit der Förderung erneuerbarer Energien. Mit der Gründung der Nahwärmegesellschaft erschließen die Stadtwerke ein weiteres Geschäftsfeld der ökologischen Energiegewinnung.

Über solarcomplex
Das regionale Bürgerunternehmen hat sich den Umbau der Energieversorgung am Bodensee weitgehend auf erneuerbare Energien bis 2030 zum Ziel gesetzt. solarcomplex versteht sich als erster regenerativer Regionalversorger. Seit der Gründung im Jahr 2000 ist die Zahl der Gesellschafter von 20 auf jetzt über 1.000 und das Eigenkapital von 37.500 auf gut 20 Mio € gewachsen. Neben Bürgern aus unterschiedlichen Berufen sind auch zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen beteiligt, darunter auch fünf Stadtwerke der Region.
solarcomplex beschränkt sich mit seinen Aktivitäten ausdrücklich auf den weiteren Bodenseeraum und stärkt so regionale Beschäftigungs- und Wertschöpfungskreisläufe. Realisiert wurden bisher 23 MW (Megawatt) Solarkraftwerke als Dachanlagen und Freiland-Solarparks, ein Wasser- und ein Windkraftwerk, zwei bürgerfinanzierte Biogasanlagen sowie ein Dutzend Wärmenetze (Bioenergiedörfer) und etliche moderne Holzenergieanlagen im Leistungsbereich bis 2 MW. Das Investitionsvolumen aller bisherigen Projekte liegt bei über 100 Mio. €. Seit 2007 firmiert solarcomplex als nicht-börsennotierte AG und bietet Bürgern die Kapitalbeteiligung als ökologische Geldanlage an.